Mutter der göttlichen Weisheit

Rosenkönigin von Heroldsbach

Bitten

Gönne dich dir selbst

Brief an einen gestressen Papst

Bernhard von Clairvaux (1090-1174) schreibt an Papst Eugen III.

Wo soll ich anfangen? Am besten bei Deinen zahlreichen Beschäftigungen, denn ihretwegen habe ich am meisten Mitleid mit Dir.

  • Ich fürchte, dass Du, eingekeilt in Deine zahlreichen Beschäftigungen, keinen Ausweg mehr findest.
  • Es ist viel klüger, Du entziehst Dich von Zeit zu Zeit Deinen Beschäftigungen, als dass sie Dich ziehen.
  • Wenn Du Dein ganzes Leben und Erleben völlig ins Tätigsein verlegst und keinen Raum mehr für die Besinnung vorsiehst, soll ich Dich da loben?
  • Wie kannst Du voll und echt Mensch sein, wenn Du Dich selbst verloren hast?
  • Denn was würde es Dir sonst nützen, wenn Du – nach dem Wort des Herrn (Mt 16,26) – alle gewinnen, aber als einzigen Dich selbst verlieren würdest?
  • Wenn also alle Menschen ein Recht auf Dich haben, dann sei auch Du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat.
  • Warum solltest eigentlich Du selbst nichts von Dir haben? Wie lange bist Du noch ein Geist, der auszieht und nie wieder heimkehrt (Ps 78,39)?
  • Wie lange noch schenkst Du allen anderen Deine Aufmerksamkeit, nur nicht Dir selber?
  • Bist Du dir etwa selbst ein Fremder? Und bist Du nicht jedem fremd, wenn Du dir selbst fremd bist?
  • Ja, wer mit sich selber schlecht umgeht, wem kann der gut sein?
  • Damit deine Menschlichkeit allumfassend und vollkommen sein kann, musst Du also nicht nur für die anderen, sondern auch für dich selbst ein aufmerksames Herz haben.

Denk also daran: Gönne Dich Dir selbst.

Theresia von Avila

O Herr, du weißt besser als ich, dass ich von Tag zu Tag älter und eines Tages alt sein werde.

  • Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.
  • Erlöse mich von der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.
  • Lehre mich, nachdenklich aber nicht grüblerisch, hilfreich aber nicht diktatorisch zu sein.
  • Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheit erscheint es mir ja schade, sie nicht ständig weiterzugeben – aber du verstehst, Herr, dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte.
  • Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten und verleihe mir Schwingen zur Pointe zu gelangen.
  • Lehre mich schweigen, über meine Krankheiten und Beschwerden. Sie nehmen zu – und die Lust sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr.
  • Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, mir Leidensberichte anderer mit Freude anzuhören, aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen.
  • Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann.
  • Erhalte mich so liebenswert wie möglich.
  • Ich möchte kein Heiliger sein – mit ihnen lebt es sich so schwer, aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels.
  • Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken und verleihe mir, o Herr, die schöne Gabe, es ihnen auch zu sagen.

Theresia von Avila (1515 – 1582)

Die zehn guten Vorsätze

Aus dem geistlichen Tagebuch von Papst Johannes XXIII. (1881 - 1963)

Nur für heute
werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

Nur für heute
werde ich die größte Sorge für mein Auftreten pflegen. Ich werde niemanden kritisieren, ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern. Nur für mich selbst.

Nur für heute
werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin. Nicht für die anderen, sondern auch für diese Welt.

Nur für heute
werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass sich die Umstände an mich und meine Wünsche anpassen.

Nur für heute
werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, so ist die Lektüre notwendig für das Leben der Seele.

Nur für heute
werde ich eine gute Tat vollbringen. Und ich werde es niemandem erzählen.

Nur für heute
werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe es zu tun. Sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass niemand es merkt.

Nur für heute
will ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht daran, aber ich werde es aufsetzen. Und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: Vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit.

Nur für heute
werde ich fest glauben - selbst, wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten -, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

Nur für heute
werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist, und an die Güte zu glauben.

Das gute Wort

Sag morgens mir ein gutes Wort
bevor Du gehst von Hause fort.

Es kann so viel am Tag gescheh’n
wer weiß, ob wir uns wiederseh’n.

Sag lieb ein Wort zur Gute Nacht,
wer weiß, ob man noch früh erwacht.

Das Leben ist so schnell vorbei,
und dann ist es nicht einerlei,
was Du zuletzt zu mir gesagt,
was du zuletzt mich hast gefragt.

Drum lass ein gutes Wort das Letzte sein.

Bedenk, das Letzte könnt’s für immer sein.

Dann war das ein Engel

Wenn einer kommt, der dich tröstet, weil du Kummer hast;

wenn einer kommt, der dich streichelt, weil du verzweifelt bist;

wenn einer kommt, der dir hilft, weil du krank bist;

wenn einer kommt, der dich stärkt, weil du mutlos bist;

wenn einer kommt, der dich besucht, weil du einsam bist;

Wenn einer kommt, der dich beschützt, weil du bedroht bist -

... dann war das ein Engel!


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